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Vor
Pilatus
• Matth. 27,11-14 / Mark. 15,2-5
/ Luk. 23,1-5 / Jch. 18,28-38
Jesus, erschöpft von der schlaflosen Nacht und dem grossen
Druck der permanent auf Ihm lastet, zerschlagen und verletzt
von den wütenden Schriftgelehrten, wird nun früh am Morgen
quer durch Jerusalem und in das Prätorium (Palast des röm.
Statthalters) vor Pilatus geführt.
Die Juden betreten das Prätorium nicht, da sie sich durch
das Betreten des Hauses eines Heiden verunreinigen würden
und somit das bevorstehende Passamahl nicht feiern könnten.
Welch eine Ironie. Selbst keinen Umgang mit Pilatus haben zu
wollen, aber sich gegen Jesus mit ihm zu verbünden.
In Seiner Niederträchtigkeit ist der religiöse Mensch kaum
zu übertreffen.
Die Juden verklagen Jesus als politischen Aufrührer, der das
Volk davon abhalten soll, dem Kaiser Steuern zu zahlen.
Demgegenüber steht das Wort Jesu: "Gebt dem Kaiser was des
Kaisers ist und Gott was Gottes ist!", das Er denselben
Schriftgelehrten als Antwort gab, als diese ihn versuchten.
Sie nützen die Unwissenheit von Pilatus aus und manipulieren
ihn für ihre Zwecke.
Pilatus hat einerseits keine Ahnung, wer da vor ihm steht,
andererseits findet er auch keine Schuld an Jesus, lässt
sich aber doch vom rasenden Volk einschüchtern und spricht
das Todesurteil über Jesus, als er den Juden die
Entscheidung zwischen Ihm und Barabbas überlässt. Sein
großer Fehler besteht darin, die für ihn geltende
Überzeugung der Unschuld Jesu, die er selbst einige Male
hervorhebt, durch den Kompromiss, den er mit dem jüdischen
Volk eingeht, um seine Position, seinen Status und seinen
persönlichen Vorteil zu sichern, zu verleugnen und sein
eigenes Gewissen somit zu betrügen. Auch die Warnung Seiner
Frau kann ihn nicht dazu veranlassen, gemäß seinem Gewissen
zu handeln.
• Luk. 23,13-25 / Mark. 15,6-15
/ Matth. 27,15-26
Jesus lässt alles über sich ergehen. Kein einziges Mal
versucht Er Pilatus von Seiner Unschuld zu überzeugen. Er
spricht wenig, antwortet nicht auf alles. Jesus hat keinen
Grund sich zu Seiner Verteidigung zu äussern. Er weiss, dass
Er unschuldig ist und Er weiss, dass Er bereit ist, als
Unschuldiger zu sterben, um eine schuldige Menschheit zu
erlösen.
Er weiß, dass "Er" der Preis ist, den der Vater bereit ist
zu zahlen.
Das gesamte Volk steht unter starkem satanischen Einfluss.
Es lässt sich von Satans Hass gegen Jesus mitreißen und tobt
gegen Seinen eigenen Erlöser. Geschürt durch die religiösen
Führer, die Dynamik der Volksgruppe und das sich
gegenseitige Aufwiegeln der Menge unter dämonischer
Kontrolle, manifestiert sich dieser Hass zu einer spürbaren,
ja regelrecht schneidbaren Substanz. Jeder wird mitgerissen.
Man zeigt sich religiös und politisch engagiert. Plötzlich
entsteht eine Einheit.
Endlich kann man sich einbringen, zählt die eigene Meinung
etwas, kann man selbst der aufgestauten Frustration
gegenüber der römischen Herrschaft Ausdruck verleihen.
Endlich ist der schuldige Übeltäter gefasst.
Ja, der Schuldenbock ist gefasst! Er hat gewagt die
religiösen Traditionen zu durchbrechen. Er hat versucht
bewährtes Altes durch Neues zu ersetzen.
Er hat die Vorstellung des gesamten jüdischen Volkes über
ihren verheißenen Messias nicht nur angetastet, sondern sich
selbst noch als diesen Messias ausgegeben. Als würde Gott so
einen wie ihn erwählen! Als würde Gott so dermaßen anders
handeln als sie erwarten würden! Als würde Gott sie nicht
vorher fragen, wie sie ihren Messias denn gerne serviert
hätten, mit oder ohne Krone, auf einer Sänfte getragen oder
von einem Esel, im königlichen Bett geboren oder in einem
Stall! Als hätte Gott es nicht zuerst den religiösen Führern
mitgeteilt, anstatt irgendwelchen Hirten und sonstigem
gewöhnlichen Volk! Und er hat es gewagt zu behaupten Gott
nicht nur besser zu kennen, sondern selbst Gott zu sein,
eins mit dem Allerhöchsten. Was für eine Anmaßung! Welche
Gotteslästerung!
Die gesamte versammelte Menschenmenge stellt sich sozusagen
auf die Seite Gottes. Wer für Gott sein will, der sollte
gegen diesen Mann sein.
Dieser Unruhestifter ist keinesfalls von Gott.
Er ist in Wirklichkeit gegen ihren jüdischen Gott. Gegen den
Gott Israels, dem Eigentum des jüdischen Volkes, Eigentum
ihrer Religion, Eigentum des Sanhedrins. Ihr wichtigstes
Eigentum wollte dieser Hochstapler ihnen streitig machen. Er
wollte sie ihres Gottes berauben!
Und dann wollte er "ihre" Werke für "ihren" Gott, durch
welche sie Gott gefielen, einfach durch sich selbst
ersetzen.
Er hat es gewagt, alle tollen, religiösen, menschlichen
Werke für wertlos zu erklären.
Gerade so als wäre dieser Gott ein Gott der Gnade und Liebe.
Gerade so als wäre dieser Gott mehr an den Menschen als an
ihren Werken interessiert.
Es ist nur Recht, dass jemand, der nicht nur keine Ahnung
von Gott hat, sondern sich auch noch als Messias ausgibt und
sich somit lustig über das jüdische Volk macht und damit
ihre Hoffnung, ihr Ausharren und ihr Warten auf den Erlöser
verspottet, dass so ein Mensch, der es wagt zu behaupten er
sei ihr Erlöser auf den sie schon so lange warten und auf
den sie, wenn es sein muss, noch vierhundert Jahre warten
werden, ja wenn es sein muss auch noch länger, dass so eine
Person getötet wird!
Schließlich warten sie schon lange und sie haben sich schon
daran gewöhnt zu warten und das Leben läuft dahin und das
Rad der Tradition dreht sich weiter und die Tage vergehen
und die Jahreszeiten wechseln sich ab und es wird gegessen
und getrunken und dabei gelacht. Ja es ist eigentlich gar
nicht so schlimm um sie bestellt, es könnte schlimmer sein.
Das Essen reicht, das Dach über dem Kopf ist dicht und die
Geschäfte gehen auch ganz gut.
Also wirklich, jetzt brauchen sie diesen Messias noch nicht
so dringend. Es hat schon härtere Zeiten gegeben und da war
auch kein Retter da. Der kommt erst wenn es ihnen wirklich
schlecht geht. Aber doch nicht jetzt.
Nein, bestimmt nicht jetzt!
Tötet ihn, diesen Aufrührer, diesen Gotteslästerer, diesen
Lügner, diesen Unruhestifter, diesen Freund der Zöllner und
Huren, diesen Zauberer, diesen Diener des Teufels, diesen
Verräter, dieses Großmaul! Er soll sich selbst helfen, wenn
er schon der Messias ist.
Los zeig uns wie toll du bist! Zeig uns was du kannst! Zeig
es uns! Befrei Dich doch selbst wenn Du Gottes Sohn bist!!!!
Die
Geisselung
• Matth. 27,27-30 / Mark.
15,16-20 / Joh. 19,2-3
Nach Gethsemane, der Verurteilung und Gewaltanwendung durch
den Hohen Rat,
der erneuten Verurteilung und Verspottung durch das Volk,
ist die Geißelung die vierte Stufe der Leiden Jesu um
unseretwillen.
Bei der römischen Geißelung wird der nackte Körper des
Opfers, an einer Säule stehend, mit gebundenen Händen durch
ein Seil nach oben gestreckt oder liegend, mit gefesselten
Händen, über einen Holzpfosten gebunden. Das
Folterinstrument ist ein kurzer Holzgriff, an dem mehrere
Lederriemen befestigt sind, in welche Eisen - oder
Knochenstücke eingeflochten wurden.
Die Peitschenschläge werden von zwei Soldaten auf den Rücken
des Opfers, abwechselnd von links und von rechte mit aller
Kraft gegeben. Dabei wird das Fleisch des Körpers in so
starkem Masse zerrissen, dass Venen, Arterien und manchmal
innere Organe freigelegt werden.
Oft stirbt das Opfer während der Geißelung.
Natürlich stirbt Jesus nicht hier, denn die Schrift muss
sich erfüllen, der Preis muss vollständig bezahlt werden.
Die Endstation ist das Kreuz.
Die
Verspottung:
• Math. 27,27-31 / Mark.
15,16-20 / Joh. 19,1-3
Die fünfte Stufe der Leiden Jesu. Mit zerfetztem Körper,
blutüberströmt, erschöpft, durch den hohen Blutverlust
geschwächt, wird er in die Mitte einer römischen
Militäreinheit von etwa 600 Mann gestellt. Sie ziehen ihn
aus und werfen den Mantel eines römischen Soldaten über
Seinen wunden Körper.
Sie setzen ihm den Zweig eines Dornengestrüpps auf, dessen
Stacheln hart und lang wie Eisennägel sind. Sie schlagen Ihm
ins Gesicht, bespucken Ihn und treiben die Dornen auf Seinem
Kopf, durch Seine Kopfhaut hindurch, in die Schädeldecke,
indem sie Ihm mit einem Rohr darauf schlagen.
Sie treten und verspotten Ihn und Er - Er lässt
es über sich ergehen, sagt nichts dazu, weint nicht vor
Selbstmitleid, flucht nicht, schimpft nicht, tut auch hier
nichts Unrechtes, während er Stück für Stück geschlachtet
wird.
Jesaja 53,2-7
„Er ist wie ein Trieb vor ihm aufgeschlossen und wie ein
Wurzelspross aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und
keine Pracht. Und als wir ihn sahen, hatte er kein Aussehen,
dass wir Gefallen an ihm gefunden hätten. Er war verachtet
und von den Menschen verlassen, ein Mann der Schmerzen und
mit Leiden vertraut, wie einer, vor dem man das Gesicht
verbirgt. Er war verachtet, und wir haben ihn nicht
geachtet.
Jedoch unsere Leiden (Krankheiten) - er hat sie getragen,
und unsere Schmerzen - er hat sie auf sich geladen. Wir
aber, wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und
niedergebeugt. Doch er war durchgebohrt um unserer Vergehen
willen, zerschlagen, um unserer Sünden willen. Die Strafe
lag auf ihm zu unserem Frieden, und durch seine Striemen ist
uns Heilung geworden. Wir alle irrten umher wie Schafe, wir
wandten uns jeder auf seinen eigenen Weg, aber der Herr ließ
ihn treffen unser aller Schuld.- Er wurde misshandelt, aber
er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf wie das Lamm,
das zur Schlachtung geführt wird und wie ein Schaf, das
stumm ist vor seinen Scherern, und er tat Seinen Mund nicht
auf.“
Es wird nichts ausgelassen. Die Schrift wird erfüllt. Stufe
für Stufe, Schritt für Schritt.
Jesus geht diesen Weg. Er nimmt keine Abkürzung. Er gibt
alles.
Währenddessen tobt die Menge. Laut schreiend, wutentbrannt,
schnaubend,
stampfend brüllt sie es hinaus: Kreuzigt ihn! Kreuzigt ihn!
Kreuzigt ihn!
Sie fordern sein Blut.
"Es komme über uns und unsere Kinder!", spricht das ganze
Volk.
Dieser Fluch soll sich nur vierzig Jahre später erfüllen.
Tausende Juden hängen dann am Kreuz. Täglich werden etwa
fünfhundert gekreuzigt, bis zuletzt das Holz fehlt.
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