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In den meisten
Lobpreis-Bands existiert das Problem, dass die Sänger und Sängerinnen die
Dynamik ihrer Stimmen der Gemeinde nicht vermitteln können, weil oftmals
die technischen Vorraussetzungen nicht gegeben sind. Entweder man hört ein
gesprochenes Gebet nicht oder es pfeift irgendwo oder es ist einfach nur
noch laut.
WAS IST EIN COMPRESSOR?
Stell Dir vor, Du hast einen Sänger, der zwischen zwei Liedern ein sanft
geflüstertes, intimes Gebet spricht und der dann schreiend und jubelnd
ruft und proklamiert. Technisch gesehen ist das für Dich als Mischer eine
echte Herausforderung: Das Flüstern ist Dir zu leise, also ziehst Du die
Lautstärke-Regler nach oben. Dann kommt das laute Rufen! Und die Gemeinde
hält sich die Ohren zu, weil´s zu laut wird und Du ziehst die Regler
wieder runter, ohje… (Das ist eine altehrwürdige Technik, genannt “riding
the gain” [“gain” ist ein anderes Wort für Lautstärke])
Ein Compressor ist ein Gerät, das automatisch “rides the gain”. Es hebt
die Lautstärke an, wenn Worte leise gesprochen werden und regelt die
Lautstärkespitzen herunter, wenn es laut wird (und das ohne die Dynamik zu
verändern!!).
Das Ziel eines Compressors ist es, einen einigermaßen konstanten,
gleichmäßigen Pegel zu erhalten, der einer Stimme konsequente
Durchsetzungskraft verleiht ohne in den Ohren zu schmerzen.
ANWENDUNG
Compressoren werden überall verwendet: im Radio, bei jedem Track auf jeder
produzierten CD, in TV-Shows, bei den Nachrichten, sogar in Telefonen und
eben auch und vor allem bei Life-Events. Und jede Lobpreis-Nacht oder
Anbetungs-Session ist ein Life-Event! Der Compressor kann einen
Vocal-Sound kräftiger, durchsetzungsfähiger und brillanter machen, aber
auch schlechter, wenn man das Teil nicht richtig bedienen kann.
„Dynamic range“ ist der Unterschied zwischen der lautesten und der
leisesten Stelle in einem Lied. Ein Compressor lässt diesen Unterschied
zusammenschrumpfen. Jedes Instrument hat diese „dynamische Spanne“, zum
Beispiel liegt der Unterschied des lautesten zum leisesten möglichen Ton
einer Altflöte bei nur 3 dB, die menschliche Stimme (natürlich abhängig
von der entsprechenden Person) hat eine Spanne von etwa 10 dB, ein
percussives Instrument beispielsweise bis zu 15 dB. Das Ohr des Menschen
ist durch komplizierte physiologische Prozesse selbst in der Lage eine
gewisse Kompression der Lautstärke zu erreichen, sonst wären wir nicht in
der Lage, einen Presslufthammer oder ein startendes Flugzeug zu ertragen,
ohne unser Gehör zu zerstören.
Bei Life-Auftritten muss die dynamische Spannweite der menschlichen Stimme
aus künstlerischen Gründen komprimiert werden:
- Die Gesangsstimme soll eine kräftigere mittlere Lautstärke haben
- Die Vokalisierung (Vokalaussprache) wie z.B. bei melismatischen Passagen
wird deutlicher
- Knacklaute werden verständlicher, auch wenn andere Instrumente
mitspielen
BASICS
Es gibt vier Basis-Parameter bei einem Compressor:
Ratio, threshold level, attack time and release time
Ratio drückt das Verhältnis der Verkleinerung der dynamischen Spanne im
Vergleich zum Eingangs-Level aus. Die ratio zeigt also den Unterschied
zwischen dem Signalanstieg (s. dynamic range) am Compressor-Eingang und
den resultierenden Signalanstieg am Compressor-Ausgang an. Eine ratio von
10:1 bedeutet, dass der Lautstärkeunterschied zum Beispiel einer Trompete
von eingehenden 10 dB (sehr laut!) auf 1 dB (immer gleich laut) reduziert
wird, d.h. der leiseste Ton kann lauter eingestellt werden, weil der
lauteste Ton nur 1 dB lauter ist. Bei so einer Kompression leidet
natürlich die Dynamik dann schon etwas. Die ratio ist ein konstanter Wert,
der keine Aussage zulässt über das Maß der Kompression. Das Verhältnis der
Eingangsspanne zur Ausgangsspanne ist immer gleich. Das Maß der
Kompression ist abhängig vom Eingangssignal. Üblicherweise benutzen
Compressoren Kompressionsverhältnisse bis 1:8. Ein Limiter ist ein Gerät,
das wie ein Extrem-Compressor maximal eine eingestellte Höchstlautstärke
zulässt (Kompression unabhängig einer ratio auf einen festen Maximalwert).
Threshold entspricht dem eingestellten Schwellenwert des Eingangssignals,
ab dem der Compressor seine Reduzierung des Eingangssignals beginnt. Der
Compressor hat keine Auswirkung auf Signale, die unter dem Schwellenwert
liegen. Sobald der Schwellenwert erreicht wird, beginnt der Compressor das
Eingangssignal zu komprimieren gemäß dem Übersteigen des eingestellten
Schwellenwertes. Dieser Schwellenwert wird in Dezibel [dB] ausgedrückt.
Der exakte Moment, in dem der Compressor zu arbeiten beginnt nennt man das
Knie [engl.: knee]. „Hard knee“ beschreibt diesen Moment als plötzlich und
bestimmt. „Soft knee“ steht für ein sanftes (unhörbares) Einschleichen der
Compressor-Funktion. Bei den meisten guten Geräten kann man den
Input-Level, das mittlere Ausmaß der Reduktion sowie den Output-Level an
einer LED-Kette sehen.
Die Attack-Zeit gibt die verstrichene Zeit an, bis der Compressor die
Kompression startet. Typische Einstellungen reichen von 1ms (sehr schnell)
bis mehr als 100 ms (sehr langsam). Kurze Zeiten lassen einen z.B.
percussiven Sound recht dumpf, matt oder lustlos erscheinen. Bei einer zu
lang gewählten Zeit arbeitet der Compressor meist zu träge und damit
ineffektiv. Wenn zum Beispiel eine Snare-Drum sehr schnell komprimiert
wird (kurze Attack-Zeit), verdimmt der vordere Anteil des
Snare-Drum-Sounds und statt eines kräftigen „hit“ resultiert nur ein sehr
kurzes „blip“. Verkürzt man die Attack-Zeit weiter, hört man überhaupt
keine Snare mehr.
Die Release-Zeit gibt (entsprechend der Attack-Zeit) die Zeit an, die der
Compressor benötigen soll, die Kompression zu beenden, nachdem das
Input-Signal unter den eingestellten Schwellenwert gefallen ist. Typische
Release-Zeiten sind 20 ms (sehr schnell) bis 5 sec (recht langsam)
Fehler: Super-schnelles Release und schnelles Attack führt zu Verzerrungen
bei tieferen Frequenzen. Ebenfalls zu Verzerrungen führt ein zu langes
Release. Ungewollte plötzliche und unnatürliche „gain reduction“ nennt man
„Pumpen“. Ein langsames Release mit einem wahrnehmbaren Anstieg des
Grundrauschens nennt man „Atmen“. „Pumpen“ und „Atmen“ sind
Compressor-Artefakte bzw. Nebeneffekte von maximaler Kompression.
PRAXIS
Vocals: Bass: Stereo-Mix:
Input: +4 dB (von EQ/Preamp/Mic) Instrument Stereo-Input
Ratio: 3-4:1 5:1 2:1
Threshold: 0 dB mittig mittig
Attack: 10-20 ms mittig mittig
Release: 300-400 ms slower mittig
Gain reduction: 6-10 dB Compression (LED-Kette) 5 dB 6 dB
Dies ist ein guter Startpunkt, von dem aus Du mit Deinem jetzigen Wissen
die Veränderungen ganz nach Deinem Geschmack vornehmen kannst. Viel Spaß,
Herr/Frau Sound-Engeneer!
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"TECHNIX"
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AUTOR/QUELLE:
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Harald Gloger
Worshipgalaxy - TechniX-Team
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published: 10.04.2006 |
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