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SONGWRITING \\Seite 03 von 05



 

III. Melodische Entwicklung

Lasst mich jetzt weitergehen zur "Melodischen Entwicklung", einem Bereich, der sehr schwer auf Papier abzuhandeln ist, weil er aus allem was Du hörst besteht. Ich glaube nicht, das Komposition durch einen Lehrer in einem Schüler erzeugt werden kann. Der Fluss der Musik muss einfach da sein ... Er kann nicht durch einen Ausbilder erzeugt werden, aber er kann gelenkt werden.

Was mich betrifft, so hatte ich weder als Texter noch als Komponist einen direkten Lehrer. Ich versuche überall zu lernen - täglich! Letztlich wird hier der beste Lehrer sein, großartigen Komponisten zuzuhören.

Irgendwie ist die Melodie so etwas wie ein mystisches Element in Songs, eine innere Leidenschaft, die ihren äußeren Ausdruck in Noten findet. Von ihrem Wesen ist eine Melodie sowohl ein Rhythmus als auch eine Tonhöhe, eine rhythmische Folge von musikalischen Noten, die zusammen ein musikalisches Ganzes bilden mit einem Start und einem Ziel.

Der Hauptbaustein einer Melodie ist ein "Motiv". Ein Motiv ist also das wesentliche einende Element eines Liedes. Andere übliche Begriffe für ein Motiv sind ein "Hook" (dt.: etwa: Aufhänger) oder "Riff". Es ist eine kurze Figur einzigartiger Gestaltung, die das ganze Lied hindurch als einendes Element vorkommt. Alle guten Lieder haben ein starkes Motiv. (Ich bin sicher, dass es Ausnahmen gibt, aber nicht viele.)

Kürzlich habe ich sehr die Musik von Andrew Lloyd Webber genossen, denn seine Hooks sind so stark, z.B. "With One Look" aus dem Musical Sunset Boulevard oder "Music of the Night" aus Phantom of the Opera. Diese Melodien "sagen" exakt, was der Text aussagt ... und das ist das Ziel!

Ich denke, Cindy Rethmeiers Motive sind sehr stark. ("Exalt the Lord" und "Full of His Glory"). Für sie ist das alles im Gefühl. Sie ist kein professionell ausgebildeter Musiker oder Songwriter. Ich habe schon früher mit ihr zusammen geschrieben und ich liebe es, da ihr melodischer Sinn sehr stark ausgeprägt ist. (plus: (viel wichtiger!) Sie ist "gesalbt"; sie tut, wozu Gott sie berufen hat.)

Wenn Du an der Melodie arbeitest, werden einige verschiedene Faktoren Einfluss darauf nehmen, wie Deine Motive klingen.

Deine Persönlichkeit: Eines meiner Markenzeichen ist die 1 auf die 4+ zu verschieben (wie jede melodische Phrase im A-Teil von "I love the View from Here". Ich singe das Wort "hill" und "miles" auf dem Schlag 4+ anstelle auf Schlag 1.). Deine Melodien werden klingen wie Dur ... und das sollten sie auch. Dies ist immer noch ein Stolperstein für mich, aufgrund dessen, wie ich mich sehe (und Du dachtest, Du seiest der Einzige!)

Liedabsicht: Was ist Deine Songvision? Wenn Du diese nicht kennst, könnte Deine Melodie ziellos umher wandern. Falls der text sich gleichzeitig entwickelt, was rufen diese Worte hervor? Als ich "Father Me" schrieb, hatte die wiederholte Bewegung von der zweiten Note zur dritten Hauptstufe ("major third") ein Gefühl des "Sich ausstreckens", des "Sich sehnens". Das passte prima zum Text "Father Me".

Musikalische Kultur und Einflüsse Deiner Umgebung werden Deinen Stil bestimmen. Natürlich wird der stärkste Einfluss von der Musik kommen, die Du als Teenager geliebt hast... Deshalb sei weise bei den Einflüssen, denen Du Dich aussetzt. Für mich habe ich festgestellt, dass ich jetzt, nachdem ich 30 geworden bin, von völlig neuen Musikstilen lerne, die ich früher nie gehört hätte.

Natürlich setzt all diese Reden über Melodie voraus, dass Du ein gutes grundlegendes Verständnis von Musiktheorie und Intervall-Lehre besitzt und wie diese die "Melodische Entwicklung" beeinflussen. Falls das nicht der Fall ist, ermutige ich Dich z.B. zur Volkshochschule zu gehen und dort Musiktheorie zu belegen. Du könntest sogar einige Nichtchristen treffen und etwas von ihnen lernen.

Lasst mich noch eine Randbemerkung machen. Einige Leute in Workshops oder Studenten der Pacific Worship School sind überrascht, wenn ich weltliche Beispiele verwende. Dies überrascht mich. Wir leben nicht auf einer Insel. Gott hat seine Gaben über die ganze Welt verstreut und wir haben viel zu lernen. Du solltest nur wissen, dass, wenn eine Person in einer Sache gut ist (wie z.B. Webber als Komponist) dies nicht bedeutet, ihn in anderen Dingen zum Vorbild zu nehmen. Also - meine Art zu leben ist diese: Ich bin vollkommen engagiert und eingepflanzt in eine örtliche Gemeinde, zu der ich regelmäßig gehe. Ich bin Teil eines Hauskreises und ich bin Menschen gegenüber verantwortlich, die mich kennen, lieben und den Mut haben mich zurechtzuweisen - aber als Songwriter lerne ich von jedem. Möglicherweise folge ich ihnen nicht geistlich, aber ich lernen von ihnen musikalisch und textlich. Wir müssen uns als Songwriter demütigen und es von Herzen annehmen, lebenslang ein Lernender zu sein.

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Brian Doerksen
engl.Original: "Songwriting"
::used by permission::
 
published: 15.10.2004
translated by Reinhard Fuckner
(c) kenaniah
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Songwriting Übersicht:

01 - Einleitung
02 - Song Vision
\\ 03 - Melodische Entwicklung
04 - Quellen der Inspiration
05 - Der kreative Prozess

 

 
"You shine" (CD)
Brian Doerksen