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Sieben Bereiche
Ich möchte das Folgende in sieben Bereiche unterteilen.
Lasst es mich kurz zusammenfassen, um Euch zu helfen, mir
zu folgen:
I. Song Vision - was ist die eine Sache, die Du zu
sagen versuchst?
II. Form - welche Struktur passt am besten zu Deinem
Lied?
III. Melodische Entwicklung
IV. Quellen der Inspiration und Arten von Liedern
V. Der kreative Prozess
VI. Was tut man mit dem fertigen Lied?
VII. Vier Qualitäten eines Anbetungs-Standards
I. Song Vision (Zielsetzung des Liedes)
Lasst uns zuerst einen Blick auf den Bereich der Song
Vision
werfen. Diese ist ein Satz, den ich benutze, um den Kern
des Liedes zu beschreiben. Das ist wie mit einem Ziel:
wenn Du keines hast, wirst Du nie wissen, ob Du ins
Schwarze treffen wirst. Viele Songwriting-Anfänger
versuchen, zu viele Dinge in einem Lied zu sagen. Aber ein
Lied sollte in erster Linie so ausgelegt sein, nur Eines
zu sagen und das sowohl mit Leidenschaft, als auch sehr
zielorientiert (Brennpunkt).
In meinen Songwriting-Klassen oder bei einem Workshop
werde ich, wenn ich Schwierigkeiten habe den Texten meiner
Studenten zu folgen, sie gewöhnlich fragen: "Was versuchst
Du, mit diesem Lied auszudrücken?" Dann gibt es oft circa
fünf SongVisionen. Eine ist genug! Du solltest in der Lage
sein, Deine SongVision in ein paar Sekunden
zusammenzufassen. Falls Du das nicht kannst, wirst Du
vermutlich einige Änderungen vornehmen müssen.
Nun - offensichtlich gibt es eine schier unendliche Anzahl
von potentiellen SongVisionen, über die geschrieben werden
könnte. Welche Art einer SongVision suchen wir? Eine, die
nicht nur unser Herz in einer echten Weise offen legt,
sondern die auch klar zum Ausdruck bringt, wonach die
Kirche (sowohl die Versammlung als auch die
Einzelpersonen) sich sehnt, es Gott zu sagen. Songwriterin,
Lehrerin und Unternehmensberaterin Sheila David, sagt
Folgendes an weltliche Songwriter gerichtet:
Ein Lied ist dann erfolgreich, wenn eine Zuhörerschaft mit
Anerkennung reagiert, die sagt: "Ich auch ... Ich habe das
gefühlt... Ich habe das gesehen, was Du gesehen hast ...
Ich weiß, was Du meinst." Das ist es, was unser Applaus
sagt: der Künstler singt nicht so sehr zu uns als viel
mehr für uns.
Dies ist es, das wir unter dem Begriff: "Den
gemeinsamen Akkord anschlagen" verstehen. Ganz besonders
in der Anbetung ist es unser Ziel (Vision), die Sprache
der Herzen der Leute freizusetzen, so dass sie sagen: "Das
ist genau das, was ich Gott sagen wollte." Es bedeutet der
Kirche sowohl die musikalische als auch die textliche
Sprache zu geben, ihre Gefühle und ihren Glauben
auszudrücken. Etwas später werde ich einige Beispiele von
mir selbst anführen; der Weg, den ein Lied nimmt von der
SongVision zum fertigen Lied, welches funktioniert.
II. Form & Stil
Jetzt, wo Du weißt, was Du sagen willst, ist der nächste
kritische Schritt, die Form oder Struktur für ein Lied zu
bestimmen. Stephen Songhiem sagte "Der Inhalt diktiert die
Form." Das ist sehr wahr. Ein Lied ohne Formen ist wie
Fleisch ohne ein Skelett. Es geht darum, nicht nur zu
wissen, was man sagen will (SongVision), sondern wie ich
es sagen will (Form & Stil).
Natürlich erkennen wir das als Wahrheit im Leben an,
dennoch ignorieren wir dies total im Bereich des
Songwriting, sehr zu unserem Nachteil. Ich war ein
gefangener Vers/Chorus-Schreiber bis ich anfing, sowohl
Songwriting selbst, als auch die Geschichte des
Songwriting zu studieren. Völlig neue Welten fingen an,
sich mir zu öffnen.
Lasst mich kurz drei Hauptliedformen beschreiben:
1. Die AAA-Form
2. Die AABA-Form
3. Die Vers/Chorus-Form
1. Die AAA-Form
Der "Dreier" ist die einfachste Liedform. Viele Leute
nennen sie die "Einteilige Liedform". Hierbei gibt es nur
Verse (obwohl in einigen Kirchenkreisen man sagen würde,
da seien nur "Chorusse". Wie auch immer, um einheitlich
mit den Songwriting-Begriffen umzugehen werden wir vom
"Vers" sprechen). Verse können in ihrer Anzahl zwischen
einem bis zu vielen liegen. (obwohl sie in der Regel bei
drei liegt >>> daher o.g. Titel).
Was so schön und kraftvoll an so einem Lied ist, ist seine
Einfachheit. Musikalisch gesehen hat man, wenn man den
ersten A-Teil gehört hat (gewöhnlich zwischen 8-16 Takten)
alles gehört. Diese Lieder sind generell leicht zu merken
und zu singen wie z.B. "Isn't He" von John Wimber. Dieser
Song hat zwei 8-Takt-A-Teile mit einem weiteren A-Teil,
bei dem lediglich der Titelsatz in "Yes, You are"
abgewandelt wird. "Yes, you are"(Ja, Du bist …) zu singen,
ist vertraulicher, aber "Isn't He" (Ist er nicht ...) ist
ein viel besserer Titel, und Titel sind wichtig. Dieser
Song führt Dich wirklich Schritt für Schritt in die
Vertrautheit.
Die Stärke dieser Form ist, sich auf wenige Melodiephrasen
zu beschränken und diese beständig zu wiederholen. Begehe
nicht den Fehler, dass Einfachheit entweder kindisch sei
(tatsächlich ist es eine gute Sache kindlich zu sein!)
oder unter Deinem Niveau. Die besten Schreiber in der Welt
haben das Ziel einfach, frisch und direkt zu sein. Die
Lieder, die am längsten Bestand haben sind, praktisch ohne
Ausnahme, die einfachen. Einfach und schlecht zu sein ist
sehr leicht, einfach und gut zu sein ist jedoch sehr
schwer.
Eines der klarsten Kennzeichen der Texte in einem AAA-Song
ist die Schlüsselaussage, welche sehr häufig dem Titel
entspricht und am Ende des A-Teils steht (obwohl ich über
Anbetungssongs im Allgemeinen sagen möchte: der Titel ist
oft der erste Satz des Liedes, vorrangig wegen der uns
umgebenden Kirchenkultur mit dem Gebrauch von
Overheadfolien und den Wünschen der Folien-Aufleger).
An diesem Punkt möchte ich einen anderen Begriff klären,
der von Songwritern benutzt wird: der "Refrain". In der
Vergangenheit wurden die Begriffe "Chorus" und "Refrain"
austauschbar verwendet. In der modernen Sprache gibt es
eine Unterscheidung, und ich denke, wir sollten
einheitlich bei den Begriffen bleiben, die Songwriter
heute verwenden. Ein Chorus beginnt einen sich deutlich
unterscheidenden neuen musikalischen Abschnitt in der
Vers/Chorus Form. Ein Refrain wird manchmal am Ende des
AAA-Verses gebraucht und zum Abschluss. Der Unterschied
besteht darin, dass der Refrain das Vorhergesagte
zusammenfasst (oftmals durch Wiederholung einer
Schlüssel-Phrase), jedoch musikalisch oder textlich nicht
neu ist. Ein interessantes Beispiel hierfür ist Twila
Paris' "The Joy of the Lord" aus ihrem Album Sanctuary.
Das Textheft kennzeichnet den Abschnitt, wo "The Joy of
the Lord" wiederholt wird als Chorus, aber das ist ein
klassischer Refrain; nichts Neues wird gesagt, weder
musikalisch noch textlich, und am Ende steht eine
Zusammenfassung des A-Teils. Tatsächlich ist der Song ein
klassischer AABA-Song (aber der Song besteht sehr gut ohne
den B-Teil, besonders im gottesdienstlichen Gebrauch).
Eine weitere Option für den Refrain, die ich erwähnen
sollte, ist der "außenstehende Refrain". Der außenstehende
Refrain mag passend sein, wenn Du in der AAA-Form bist und
etwas mehr möchtest, jedoch die Option eines Chorus oder
einer Bridge nicht funktioniert. Ein außenstehender
Refrain ist eine kurze, wiederholte "Aufhänger"-Phrase (hook
phrase) ohne die der Song existieren kann, aber es haucht
dem Song etwas frisches Leben ein. Wenn Du ihn gebrauchst,
achte darauf keine weitere SongVision hinzuzufügen oder
dem Song seine Einfachheit zu nehmen.
Vergiss oder übersieh nicht die Einfachheit dieser
AAA-Form. Viele unserer Lieblingslieder wie "Ich lieb
Dich, Herr" sind beliebt und haben Bestand, aufgrund ihrer
Einfachheit. (zurück)
2. Die AABA-Form
Nun wollen wir unsere Aufmerksamkeit auf die AABA-Form
lenken, gegenwärtig vermutlich meine Lieblings-Songform.
Ich denke, einer der Hauptgründe, weshalb ich sie so mag,
ist, dass diese Form eine Wunderbare Mischung von
Wiederholung und Kontrast ist.
In der AAA-Form ist alles Wiederholung. In der
Vers/Chorus-Form hast Du ein "Vor-und-zurück"-Gefühl. Aber
in der AABA-Form scheint es beides in der richtigen
Gewichtung zu haben. (wie auch immer, das ist mein
persönlicher Geschmack, und das ist ganz bestimmt ein
Faktor, wenn wir über Songwriting diskutieren.)
Wie also klingt die AABA-Form? Ein AABA-Song wird in der
Regel direkt am Anfang mit dem stärksten melodischen
"Hook" [dt.etwa: Aufhänger] (und oftmals der stärksten textlichen
Aussage) beginnen. Dieser wird normalerweise wiederholt
mit dem 2ten A (gleiche Musik, anderer Text), bevor er in
den kontrast-reichen B-Teil übergeht. (allgemein spricht
man hier von der Bridge (dt.:Brücke), obwohl sie sich von
der Bridge in der Vers/Chorus-Form unterscheidet; daher
nenne ich diesen Teil einfach "B").
Einige Beispiele, an die ich mich deutlich erinnern kann
sind "Memory" aus dem Musical Cats, "When I Need You" von
Leo Sayer und ein Lobpreislied, das ich geschrieben habe,
"Eternity" (obwohl "Eternity" textlich so einfach ist, wie
mit nur einem A-Teil) Wenn Du nicht sicher bist, was ich
meine, hör Dir diese Lieder an ... das ist der
unterhaltsame Teil beim Lernen über Songwriting.
Eines der Schlüsseldinge, die ich jetzt tue, wenn ich eine
Inspiration und einen Schwerpunkt für meine SongVision
bekommen habe, ist zu entscheiden, in welcher Form es am
besten funktionieren wird. Lasst mich Euch von einem meinen
zuletzt erschienenen AABA-Songs erzählen!
Letzten Sommer sind Joyce, die Kinder und ich Joyce's
beste Freundin und deren Familie besuchen gefahren. Ihr
Haus ist an einem starken Damm gelegen, eingerahmt
unterhalb von einem Fluss und einer Bergkette in der Fern.
Ich stand etwas abseits alleine und trank etwas in der
Schönheit des Sommers, alle die grünen Bäume, der Fluss,
die Berge mit ihren zerklüfteten Kuppen und der blaue
Himmel mit den weißen Wolken. Ich rief aus: "I love the
View from Here"! (dt.: "Ich liebe diesen Ausblick") Sobald
die Worte aus meinem Mund heraus waren, wusste ich, dass ein
Lied geboren war.
Zusätzlich wusste ich jetzt ein Weiteres über echten
Lobpreis: das ist nichts, das nach "Schema F" abläuft,
sondern vielmehr eine absolut einzigartige Antwort auf
eine Offenbarung. Echtes Lob kommt daher, etwas oder
jemand Wunderbares(ren) gesehen zu haben.
Die Inspiration war sehr stark und instinktiv wusste ich,
dass das Lied entweder eine AAA-Form oder die AABA-Form
haben sollte, wegen der herausragenden Charaktermerkmale
dieser Formen. Die Schlüsseltext-Passage kommt am Ende vom
A-Teil, nicht am Anfang eines Chorus. Wie auch immer, eine
starke SongVision bekommen zu haben heißt noch nicht, dass
der Song bereits geschrieben ist. Es bedeutet lediglich,
dass Du ein Ziel hast, das Du anpeilst.
Ungefähr drei Monate später habe ich versucht, diesen Song
zu schreiben, aber jedes Mal war das Ergebnis ziemlich
flach. Schließlich über ein Jahr später nach der Geburt
unserer Zwillingsmädchen, Joy und Mercy, fingen die
Mosaiksteine an sich zusammenzufügen. Aber selbst dann
noch habe ich Stunden daran gearbeitet über einen
dreiwöchigen Zeitraum hinweg.
Eines der Schlüsseldinge, die ich in dem Ganzem lerne, ist
Geduld und das Wissen, dass jede der Songformen für
unterschiedliche Songs geeignet ist. Der Schlüssel liegt
darin, sie so zusammenzubringen, dass sie einander
ergänzen.
3.Die Vers/Chorus-Form
Ich habe nicht vor , den Vers/Chorus-Song in Verruf zu
bringen. Viele meiner Lieblingssongs sind darin
geschrieben worden. Vielleicht wurde er in der
zeitgenössischen christlichen Musik und der neuen Welle
der Anbetungsmusik einfach übermäßig gebraucht...
Was ist die Hauptstärke des Vers/Chorus-Songs?
Die dominanten Charaktermerkmale des Vers/Chorus-Songs
sind seine Bestimmtheit, entgegen der eher zurückhaltenden
Art der AAA-Form, wo kein Teil aus den anderen herausragt.
Ein Chorus zieht von Natur aus die Aufmerksamkeit auf
sich. Indem er seine Punkte zwischen die Handlung des
Verses wirft, scheint er zu sagen: "Hey! Hört mir zu! Ich
habe etwas mitzuteilen!"
Die Struktur ist ideal, wenn Du wiederkehrend eine
nachdrückliche Botschaft bringen willst. Jetzt kannst Du
sicherlich klarer sehen, warum es so bedeutsam ist, zu
wissen, was Du sagen willst und wie Du es sagen willst.
Ein klassisches Beispiel hierfür ist "If I ever lose my
faith in you" von Sting aus dem Album Ten Summoners Tales,
ein weiteres eines meiner früheren Anbetungslieder "Faithful
One" (dt.:"Du bist treu") (Tatsächlich hatte ich als ich "Faithful
One" schrieb keine blasse Ahnung von "Form". Wenn also
dies alles neu für Dich ist, dann verzweifele nicht ... Vor
nicht allzu langer Zeit war es das für mich auch!)
Gewöhnlich wird ein Vers/Chorus-Song aus zwei (oder drei)
Versen und einem Chorus zusammengesetzt sein, wobei sich
letzterer nach jedem Vers wiederholt. In Anbetungsliedern
hast Du evtl. nur einen Vers, aber viele werden zwei
haben. (wie "Refiners Fire" (dt.:"Feuer des Herrn"
bzw."Reinige mein Herz") oder "Simply said". Jeder Song
ist einzigartig, und so gibt’s es auch keine unbrechbaren
Regeln. Ich bin ganz gewiss dankbar dafür, dass John Barnett
in "Holy and Anointed One"(dt.:Jesus, heilig und gesalbt)
nur einen Vers verwandt hat, weil ich es lieb einfach nur
"Jesus..." zu singen.
Normalerweise wird der Titel eines Liedes am Kopfende des
Liedes gefunden. Falls möglich, ist das der stärkste Platz
dafür, aber es gibt immer Ausnahmen. In vielen
Anbetungsliedern wird der Titel der erste Satzteil des
Songs sein, der ggf. auch als Zusammenfassung dienen kann
(wie "Faithful One"); oder er könnte der letzte Satz des
Chorus sein (wie "The River is here" (dt.:"Der Strom
Gottes fließt" bzw. "Aus dem Felsen") oder "Stay (Orphans
Song)"). Erinnere Dich daran: Die erste Zeile des Liedes
sollte aufgrund der Realität von Overheadfolien und Titeln
ein Satzteil sein, der für eine maximale Wirkung so stark
wie nur eben möglich sein sollte.
Lass mich eine Bemerkung zum Gebrauch einer "Bridge" (dt:
Brücke) in einem Vers/Chorus-Anbetungslied machen. Sei
vorsichtig und füge keine Bridge hinzu, es sei denn, sie
ist wirklich notwendig. Eine Bridge fügt eine weitere
melodische Sektion hinzu und einige Leute würden es evtl.
nicht gebrauchen, da es zu komplex ist. Brian Thiessen's
Song "I give Thanks" funktioniert, obwohl die Bridge nicht
so stark ist und auch nicht total notwendig.
Falls Du spürst, dass das Einbringen einer Bridge den Song
kompliziert, versuche es mit einem halben Vers oder einer
kurzen instrumentalen Pause.
Natürlich gibt es auch noch weitere Formen über diese drei
hinaus (und vermutlich werden neue noch geschaffen!), aber
wir haben nicht die Zeit in diesem Kapitel auf sie
einzugehen. Denke daran: Die geeignete Form ist Dein
Diener, nicht Dein Meister, aber sie ist ein sehr
effektiver Diener und sollte genutzt werden.
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